Ana-Marija Markovina

Pianistin

Hugo Wolf

Das Klavierwerk

Hugo Wolf
Variationen Op. 2
Rondo Capriccioso
Humoreske
Schlummerlied
Scherz und Spiel
Meistersingerparaphrase
Wallkürenparaphrase
Rezensionen

Fono Forum 1/2008

Der Ansatz ist interessant: Ana-Marija Markovina spielt (mit Ausnahme des Sonatenfragments in G-Dur) das Klavierwerk Hugo Wolfs, im Booklet erläutert der Psychologe Helmut Reuter das Ganze: der junge Wolf aus analytischer Sicht. Er litt ja später unter Wahnvorstellungen. Es begegnet uns musikalisch ein Komponist des Fin de Siècle, der ungeschminkt aber nicht sehr pfiffig im „Schlummerlied“ oder im „Rondo Capriccioso“ romantischen Vorbildern huldigt, der sich tief (und keineswegs so originell wie Liszt) vor Wallküre und Meistersinger paraphrasisch verneigt. Gewissermaßen: die Spiegelung des Ichs im Über-Ich. Die Pianistin macht das souverän, klangschön, pointiert, geschmackvoll. Der Bösendorfer vermittelt dabei eine fast historische Illusion.

Jung

Piano-News

September/ Oktober 2006

… Mit viel Energie und Engagement widmet sich sich Ana-Marija Markovina diesen Versuchs-Miniaturen. Bezaubernd leicht das Schlummerlied, das Rondo Capriccioso, das an Mendelssohn erinnert. Oder das Ein-Minuten-Stück Scherz und Spiel. Markovina vermag es, die Unbefangenheit dieser Musik widerzuspiegeln….

Hin zur eigenen Tonsprache

Hugo Wolfs Lieder verbinden liedhafte Präzision und Tiefe mit der Dramatik und Ausdrucks-Intensität von Wagneropern. Das Klavier spielt dabei bei weitem nicht nur die Rolle des Begleiters, es ist ein Wagner-Orchester ‘en miniature’. Umso interessanter, dass Hugo Wolf das Klavier als Soloinstrument fast völlig außer Acht ließ. Seine spärlichen Klavierkompositionen entstanden im zarten Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Es ist die Zeit seiner musikalischen Orientierung, die keineswegs einfach war. Nach einem scherzhaften Drohbrief an die Adresse des Direktors, der möglicherweise gar nicht aus der Feder Wolfs stammte, wurde er mit 17 Jahren aus dem Wiener Konservatorium ausgeschlossen. Künftig musste Wolf sich mit Klavierstunden den Lebensunterhalt verdienen und sich autodidaktisch weiterbilden. Seine Klavierkompositionen markieren Schritte hin zu seiner eigenen Tonsprache.

Kritik von Miquel Cabruja, 04.12.2007

Klassik.com

Salonhafte Werke

Schon von früher Jugend an war der Komponist ein begeisterter Anhänger Richard Wagners. Dementsprechend verwundert es nicht, dass unter seinen Klavierwerken zwei Wagner-Paraphrasen zu finden sind. In der Meistersinger-Paraphrase verwendet Wolf Motive aus der Ouvertüre und bekannten Arien. Das gleiche gilt für die weihevolle Walküre-Paraphrase, die mit ihren fast 22 Minuten Dauer das längste Stück auf der vorliegenden CD ist. Die in Kroatien geborene und in Köln lebende Pianistin Ana-Marija Markovina, die Paul Badura-Skoda als eine der ‘bedeutendsten Pianistinnen ihrer Generation’ bezeichnete, widmet sich diesen salonhaften Werken mit künstlerischem Ernst und klangmalerischer Vorstellungskraft. So bekommen insbesondere die ariosen Momente unter ihren Händen sängerische Morbidezza und lyrische Wirkung.

Beinahe klassizistisch

In ‘Rondo Capriccioso’ oder ‘Scherz und Spiel’ scheint etwas von der Freiheit der späteren Kompositionen Wolfs auf. Den bitterbösen Humor, die kompromisslose Schau in Seelenabgründe und auch der Wagemut, weit vor Schönberg bis an die Grenzen der Auflösung der Tonalität zu gehen, die für das Reifewerk Wolfs kennzeichnend sind, lässt Markovina in diesen Stücken aufscheinen. Das ehrzählerische Talent und das Spiel mit Farben, das in der ‘Humoreske’ Gestalt annimmt, fasst sie in beherzte Klänge und lässt auch das Genrehafte im ‘Schlummerlied’ mit seiner konventionellen Harmonik und Motivarbeit nicht zu kurz kommen. Die unbekümmert fröhlichen, beinahe klassizistischen ‘Variationen’ spielt Markovina mit gestalterischer Phantasie und behänder Agilität. Auch wenn die Fragmente zur Klaviersonate G-Dur auf dieser Aufnahme fehlen, ist dieses Album eine lohnende Einspielung, die eine wenig bekannte Seite des Komponisten ins rechte Licht rückt.

Stadtblatt Ruhr

1/2008 Februar-März

Ana-Marija Markovina, aus Kroatien stammend und in Köln lebend, ist eine außergewöhnliche Pianistin. Sie gehört zur jungen Generation aufstrebender Konzertpianistinnen, die ihren Weg abseits ausgetretener Pfade des Repertoires suchen. So kommen wir in den Genuss der Gesamteinspielung aller vollendeten Werke des Komponisten Hugo Wolf.
Wolf, ein Zeitgenosse Siegmund Freuds und Vincent van Goghs, zeitweise ein Klassenkamerad Gustav Mahlers, ist den meisten eher als Liedkomponist bekannt. Seine Vertonungen von Gedichten Heines, Mörikes, Eichendorffs wie Goethes sind weltbekannt. Doch auch sein Klavierwerk lohnt eine Entdeckung. Die hier eingespielten Stücke atmen den spätromantischen Stil und auch den Geist großer Zeitgenossen und Vorbilder wie Richard Wagner Walküre-Paraphrase, Meistersinger-Paraphrase). Ana-Marija Markovina, die bei so bedeutenden Lehrern wie Paul- Badura-Skoda studierte, erfasste hier mit klangmalerischer Vorstellungskraft die großorchestrale Wirkung der Vorlagen.

Überhaupt ist Klang einer der Schlüsselbegriffe dieser Produktion. Hauptakteur ist ein riesiger Bösendorfer-Konzertflügel, übrigens dasselbe Fabrikat, das auch schon Hugo Wolf benutzt hat. Aufnahmetechnisch perfekt eingefangen, kann man hier hören, was der Mythos Bösendorfer in der Klavierwelt bedeutet. Unter den Händen einer Meisterin, die auch die tiefenpsychologische Wirkung und den abgründigen Humor perfekt auslotet, zeigt sich erst das Potenzial der Klavierstücke Hugo Wolfs.
Ana-Marija Markovinas jedenfalls hat das ihre noch lange nicht ausgeschöpft.

Peter Liffers

Klangbeispiele

Rondo Capriccioso

Humoreske

Meistersinger-Paraphrase

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