Ana-Marija Markovina

Pianistin

Carl Philipp Emanuel Bach

Die Württembergischen Sonaten

4260036250541
CD 1:
No. 1, A minor Wq. 49/1 H30
No. 2, A-flat major Wq. 49/2 H31
No. 3, E minor Wq. 49/3 H33
No. 4, B-flat major Wq. 49/4 H34
No. 5, E-flat major Wq. 49/5 H35
No. 6, B minor Wq. 49/6 H36

CD 2 (Bonus CD):
Harpsichord Concerto in D minor
Wq. 23 H427 (1748), Piano Version
Rezensionen

Empfindsame Polyphonie Die Pianistin Ana-Marija Markovina, ihre neue CD und ein Auftritt in Berlin

Feuilleton, 11.Januar 2006

Die Pianistin Ana-Marija Markovina dürfte nur wenigen ein Begriff sein. Dass sich das ändern sollte, darauf macht ihre neue CD aufmerksam. Sie ist einem Komponisten gewidmet, den selbst Mozart als Größe und Vorbild anerkannt hat: Carl Philipp Emanuel Bach (1714- 1788), der zweite Sohn von Johann Sebastian.

Ana-Marija Markovina spielt C. P. E. Bachs „Württembergische“ Sonaten und sein Cembalokonzert d-moll in einer Fassung für Soloklavier. Soloklavier? Eigentlich hatten wir gedacht, dass diese nervöse, immer wieder spontan ausreißende Musik nur auf Cembalo und Pianoforte zum Klingen gebracht werden könnte. Markovina belehrt uns eines Besseren. Ihr zugleich sprechender und singender Ton begradigt die vielen Atempausen und Neuansätze keineswegs, verbindet sie aber schlüssig in einer Polyphonie der Empfindsamkeit. Und im Andante der 4. Sonate spielt sie die Nähe des Sohns zum Vater mit größter Ruhe aus. Wie Markovina Mozart versteht, kann man heute Abend hören, wenn sie mit der Klassischen Philharmonie Bonn das A-Dur-Konzert KV 488 gestaltet.

Wolfgang Fuhrmann

Berliner Zeitung

Stereoplay

Juli 2006

Ana-Marija Markovina weist sich einmal mehr als eine überraschend fantasievolle und technisch versierte Pianistin aus. Sie kennt und beherzigt die Aussagen von Carl Philipp Emanuel Bach über Empfindungen und Affekte aus dem „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen“. Die zwischen barocker Strenge und romantischer Empfindsamkeit stehende Musik wirkt unter Markovinas gebändigt klangvoll sprechenden Händen absolut überzeugend. Nicht nur nebenbei werden Erinnerungen an Wanda Landowska oder Rosalyn Turreck wach.

Die Bonus-CD enthält mit dem Cembalokonzert d-Moll eine hochwillkommene Zugabe. Federico Longo, als ungemein vitale Musikerpersönlichkeit bekannt, bietet der Pianistin eine adäquate Partnerschaft.

Wolfgang Wendel

Piano-News

September/ Oktober 2006

Carl Philipp Emanuel Bachs Musik stellt einen Höhepunkt in der Musikgeschichte zwischen J.S.Bach und Haydn dar. Vor allem in seiner Klaviermusik kommt Carl Philipp Emanuel Bach seiner Vorstellung von Musik als „Sprache der Empfindung“ am nächsten. Hier steht sie kraft ihres Kontrastreichtums, ihrer Vielgestaltigkeit in Rhythmik, Harmonik und Ornamentik ziemlich einzig da. Angelegt ist all dies schon in den frühen Württembergischen Sonaten von 1744, die nun in einer sehr ansprechenden Einspielung der Pianistin Ana-Marja Markovina, einer Schülerin Paul Badura-Skodas, vorliegen. Markovinas Ansatz (auf einem modernen Flügel), Expressivität mit einer Betonung der formeinigenden Kräfte zu verbinden, geht voll auf und lässt C.Ph.E.Bachs Genie in seiner ganzen antizipatorischen Kraft erstrahlen. Da den Sonaten noch das d-moll Klavierkonzert Wq 23 (Live-Mitschnitt) beigegeben ist, eignet sich die Doppel-CD für solche Musikliebhaber, die schon immer die Musik des Bach-Sohnes hören wollten.

Von Robert Nemecek

Ungestüme Klaviersonaten der ersten Generation

Carl Philipp Emanuel Bachs ‘Württembergische Sonaten’, entstanden zwischen 1742 und 1744, dürfen als eine der bedeutsamsten Sonaten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelten. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich der junge Bach von seinem Vater zu lösen vermag, ohne dessen Erbe gänzlich über den Haufen zu werfen; man denke nur an die kontrapunktischen Finessen oder an den schier unerschöpflichen kompositorischen Reichtum, den Carl Philipp Emanuel Bach in diesen Werken an den Tag legt.

Das junge Leipziger Label Genuin schickt nun die ebenfalls junge Pianistin Ana-Marija Markovina mit den ‘Württembergischen Sonaten’ ins Rennen, zusätzlich bekommt man auf einer (ziemlich kurzen) zweiten CD eine Live-Aufnahme des d-Moll-Konzerts für Clavier und Orchester H 427 (Wq. 23) von Carl Philipp Emanuel Bach geboten. Liest man auf dem in edlem, glänzenden Schwarz gehaltenen Booklet, dass Ana-Marija Markovina sich der Sonaten (wie auch dem Konzert) mit einem Bösendorfer-Flügel annimmt, so stellen sich zuerst einmal historische Bedenken ein. In Zeiten, in denen historisch informierte Aufführungspraxis oder zumindest enge Orientierung an ihr zum guten Ton gehört, werden solche Produktionen schnell als Anachronismus abgestempelt. Wer wagt es heute noch, C. P. E. Bach auf einem Konzertflügel zu spielen…? – Dass allerdings historische Angemessenheit nicht primär mit dem Instrumentarium zu tun hat, macht diese Aufnahme auf sinnfällige Art deutlich. Denn Ana-Marija Markovina zaubert aus ihrem Flügel so filigrane, luzide Klänge, dass man kaum seinen Ohren traut. Wie viele Aufnahmen gibt es, bei denen zwar alte Instrumente benutzt werden, aber letztlich so uninspiriert und blechern klingen, dass man gerne mal das Bonmot von der Schreibmaschine hervorzuholen geneigt ist. Hier allerdings wird historisch informierte Aufführungspraxis auf modernem Instrumentarium gezeigt: knackige Akkorde, gestochen scharfe Läufe, kontrapunktische Dichte und alles in unerhörter klanglicher Transparenz und filigraner Klarheit des Satzes.

Kritik von Tobias Pfleger, 24.09.2006

Klassik.Com

Flüssige Tempi, pointierte Leichtigkeit

Ana-Marija Markovinas Lesart der ‘Württembergischen Sonaten’ macht süchtig. Spätestens beim Finalsatz der einleitenden a-Moll-Sonate H 30 (Wq. 49) wird man überwältigt. Mit ungeheuerlichem Drang nach vorn, aber ohne verhetztes Tempo, geht Markovina das ‘Allegro assai’ an. Wie Blitze fahren die Linien der rechten Hand in die Klangtextur, mit unendlicher Zartheit und leichter Dramatik werden dynamische Steigerungen (etwa im Endteil der Exposition) eingesetzt, so dass der Hörer unweigerlich in den Bann der Musik gerät. Ana-Marija Markovina schafft es, ohne virtuoses Auftrumpfen eine Spannung höchster Intensität zu schaffen. Sie wählt stets genau passende Tempi; in den langsamen Sätzen lässt sie den Flügel singen und gestaltet weit geschwungene Melodielinien. Am eindruckvollsten sind jedoch die schnellen Ecksätze, in denen sie ihre technische Virtuosität in den Dienst einer detailreichen, subtilen und energiegeladenen Deutung stellt. Sie setzt Pointen mit dynamischen Schattierungen, nutzt die angelegte Dramatik (etwa unvermittelte Pausen oder harsche harmonische Wechsel), um Carl Philipp Emanuel Bachs Sonaten in ihrer Fülle von Ausdrucksmomenten erfahrbar zu machen. Fast ohne Pedal musizierend, lässt sie die Dichte des Satzes hörbar werden, achtet jedoch stets auf Durchsichtigkeit der Stimmen und schafft es die Musik mit ihrem Flügel mal zerbrechlich, mal dramatisch, aber stets ausdrucksstark klingen zu lassen. Ein Fest für die Sinne!

Audiophile Qualität

An der hervorragenden Gesamterscheinung dieser Produktion hat die klangliche Realisierung entscheidenden Anteil. Selten hört man eine Klavieraufnahme, bei der wirklich jede Kleinigkeit hörbar, jede Schattierung im Dynamischen und in der Anschlagstechnik so direkt abgebildet wird. Man hat den Eindruck, ganz nah am Klavier zu sitzen, hört sogar die leicht dumpfen Geräusche der Filze auf den Saiten. Der Aufnahmeort stellt sich als hervorragende Wahl heraus. Ohne störenden Hall lässt sich diese Musik schnell wechselnder Stimmungen hervorragend genießen.

Dem Label Genuin und Ana-Marija Markovina ist damit eine Meisterleistung gelungen. Die ‘Württembergischen Sonaten’ und das d-Moll-Konzert (bei dem die Sächsische Kammerphilharmonie eine glänzende Figur macht) hört man selten so inspiriert, so reich schattiert, so filigran und doch so dramatisch. Dass die Aufnahme über ihre rein interpretatorische Qualität auch noch als audiophile Glanzleistung zu bezeichnen ist, macht so umso attraktiver. Ein Muss für jeden Kenner und Liebhaber.

Klangbeispiele

Klangbeispiel 01

Klangbeispiel 11

Klangbeispiel 18

Cembalo-Konzert in d-Moll Wq. 23 H 427

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