Ana-Marija Markovina

Pianistin

Carl Philipp Emanuel Bach

The Complete Works for Piano Solo

098003000
Preussische Sonaten Wq 48
Württembergische Sonaten Wq 49
Sonaten mit veränderten Reprisen Wq 50-52
Sechs leichte Clavier-Sonaten Wq 53
Six Sonates pour le clavecin à l'usage des Dames Wq 54
Clavier-Sonaten für Kenner und Liebhaber. Sammlungen 1-6 Wq 55-59 . Wq 61
Clavier-Concerte H 242 . Wq 43, 1-6 (Fassungen für Clavier Solo)
Symphonien für Orchester (Fassungen für Clavier solo) Wq 22
Clavier-Sonaten, die in verschiedenen Sammlungen einzeln gedruckt stehen Wq 62
Sechs Sonaten nebst sechs neuen Sonatinen Wq 63
Vollständige Sammlung aller ungedruckten Claviersonaten Wg 65

Clavierstücke verschiedener Art Wq 112
Kurze und leichte Clavierstücke Wq 113 & 114
Sammlung von Menuetten, Polonaisen und anderen Handstücken fürs Clavier Wq 116
Sammlung von Solfeggios, Fantasien und charakteristische Stücke fürs Clavier Wq 117
Sammlung verschiedener Clavierstücke mit Variationen Wq 118
Rezensionen

Pianistin wirbt virtuos für Bach-Sohn
Bad Bederkesa. Leidenschaft ist immer ein guter Antrieb für große Interpretationen. Die Pianistin Ana-Marija Markovina brennt für Carl Phillip Emanuel Bach und hat zu seinem 300. Geburtstag in diesem Jahr auf 26 CDs bei Hänssler sämtliche Klavierwerke eingespielt. Für diese Mammutaufgabe erhielt die gebürtige Kroatin zu Recht den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“. Bei ihrem Konzert in der Burg Bederkesa übertrug sie ihre Begeisterung auf die Hörer.
ER ist heute ein bekannter Unbekannter, der zweite Sohn des Großen Johann Sebastian, dabei überflügelte „C.P.E.“ zu Lebzeiten den Ruhm seines Vaters, bereitete den Klangwelten Beethovens den Weg. ER war selbst ein virtuoser Pianist. Viele seiner Klavierwerke galten zu ihrer Zeit als fast unspielbar.
Markovina tauchte zu Beginn mit der Fantasie fis-moll gleich voll in die Klangwelt Bachs ein: expressionistische Ausbrüche, spannungsreiche harmonische Wendungen und Emotionen, die miteinander zu ringen schienen. Aber Bach war auch Geschäftsmann genug, um die Verbreitung seiner Musik im Auge zu haben. So bildeten das lebenslustige Rondo G-Dur und die „Damensonate“ A-Dur einen guten Spagat zwischen virtuosen und melodiös eingängigen Passagen. Auch in den fulminanten dahin rauschenden Abschnitten spielte Markovina sehr pointiert und artikulierte die rasantesten Linien noch gestochen scharf und dynamisch nuanciert.
In der ersten württembergischen Sonate a-moll zeigte sich Bachs Grundansatz in Perfektion. Der persönlich Ausdruck stand – trotz klarer musikalischer Strukturen- über allem. Die Solistin verlieh der Vielzahl an Ausdrücken- Zorn, Enttäuschung, Freude, Einsamkeit- immer wieder neue Farben. Dies war keine gefällige Musik, aber eine spannende Begegnung.
Die zweite Konzerthälfte schloss Markovina mit zwei Werken von Fredéric Chopin ab. Dessen Klangsprache war eine ganz andere, der Brückenschlag aber gelang. Markovina ließ der Ballade g-moll op.23 ihrem hintergründigen Humor und leuchtete die Klangwelt des „Andante Spianato et Grande Polonaise Brillante“ op.22 bis in kleinste Facetten aus. Eine perlende Scarlatti-Zugabe beglückte das Publikum dann vollends.
Thorsten Meyer, 29.12.2014, Bremerhaven Nordsee-Zeitung

Markovina brilliert am Bösendorfer
Langer Applaus für grandioses und erhellendes Meisterkonzert
Unna. Erst nach zwei Zugaben war Schluss. Schade, man hätte ihr noch gern länger zugehört! Was Ana Marija Markovina am gestrigen Abend im 2. Meisterkonzert auf den Bösendorfer zauberte, war grandios und erhellend zugleich.
„Ich fühle, also bin ich!“ So fasst Markovina Carl Philipp Emmanuel Bachs Selbstverständnis in Abwandlung des berühmten Satzes von Descartes´ zusammen. Was der zweite Bach-Sohn für die späteren Komponisten bedeutete, verdeutlicht Markovina nicht nur in ihrer informativen Einführung, sondern mehr noch in ihrem temperamentvollen, ja leidenschaftlichen Spiel. Fast romantisch muten die ersten zarten Klänge der Fantasie fis-mollWq 67 an, die sich zu einem facettenreichen Spiel entwickelt, in dem Markovina einen Komponisten porträtiert, der 300 Jahre nach seiner Geburt neu entdeckt wird – nicht zuletzt durch die pure Subjektivität dieser Pianistin, deren Gesamteinspielung der Klavierwerke Bachs begeisterte Resonanz hervorgerufen hat. Sie spielt eigenwillig raffiniert mit Rubati; Verzierungen ranken sich wie Arabesken um ein Thema oder rauschen wirbelnd hinab, extrem dynamische Kontraste stehen unvermittelt nebeneinander. Markovina brilliert mit farbenreichen Arpeggi wie mit zartester Lyrik, ob beim Rondo G-Dur, in der Damensonate A-Dur, den Variationen über Folie d´ Espagne oder der Württembergischen Sonate Nr.1, die Bachs kreatives Potenzial in faszinierender Bandbreite offenbaren. Bei aller sprühenden Virtuosität verleiht ihre Empathie der subjektiven Gestaltung höchste Authentizität! Bachs c-moll-Fantasie Wq 63,6 und c-moll-Sonate Wq 65,31 bestätigen das Empfundene nicht nur, sondern sind bewusst gewählte „Vorläufer“ der Ballade g-moll op. 23 wie dem Andante spianato et Grande Polonaise brillante op. 22. von Chopin. Dessen Balladenbeginn und der von Bachs Fantasie sind nahezu identisch, die chromatischen Verzierungen Chopins erhalten plötzlich Wurzeln, die farbenfrohen Arpeggi und vollgriffigen Oktavwirbel vollenden Bachs Eigenwilligkeiten mit höchster Raffinesse und malen in der Polonaise einen rauschenden Ball mit schwingenden Roben und blitzenden Diademen – mit Herz gespielt bis in die atemraubenden Zugaben von Scarlatti und Mozart, die Bachs Einfluss ebenso wenig verleugnen können. Verdienter, anhaltender Applaus für einen erhellenden Abend!
Rainer Ehmanns, Hellweger Anzeiger, 29.11.2014

Seitensprung in die Romantik
Philharmonie Bonn mit Spaß bei der Sache
Das zweite Saisonkonzert der Klassischen Philharmonie Bonn unter der Leitung von Heribert Beissel begann mit einem Abstecher in die Barockzeit und endete bei der Zugabe mit einem Seitensprung in die Spätromantik.
Der Dirigent hätte seine Exkurse gar nicht kommentieren müssen, denn das Publikum sah ihm und seinen Musikern den Spaß an diesen Werken an und ging spontan mit. Das Concerto grosso in G-Dur op. 6 Nr. 1 für zwei Violinen, Violoncello und Streicher gestalteten die Bonner Gäste erfreulich musikantisch und unbekümmert um Vorschriften der historischen Aufführungspraxis. Das Wechselspiel zwischen dem Tutti und den Solisten Kazumi Suzuki Krapf, Elda Teqj, Violinen, und Chi-Ho Choi, Violoncello, auf modernen Instrumenten und mit moderner Artikulation virtuos ausgespielt, bot in seiner kultivierten Art einen uneingeschränkten Hörgenuss. Der war bei der Wiedergabe von Carl Philipp Emanuel Bachs Konzert für Klavier und Streicher in d-Moll, Wq 23, nur bedingt gegeben. Nicht etwa, weil die Solistin Ana-Marija Markovina auf einem modernen Steinway-Flügel gespielt hat. Im Gegenteil, die klanglichen Möglichkeiten eines solchen Instrumentes hätten den Komponisten vermutlich begeistert. Aber das vorgetragene Konzert aus dem Jahr 1748 gibt mit seinen thematischen Erfindungen und Verarbeitungen nicht so viel her, dass jede Wendung und Figuration so zelebriert werden kann, als enthalte sie eine Offenbarung. Gewiss, es brodelt in dem Werk, und seine historische Bedeutung ist kaum zu hoch einzuschätzen. Aber bei einer überzogen ausdrucksvollen Interpretation erscheinen die empfindsamen und stürmerischen Stilmerkmale dieser Epoche leicht affektiert. Ana-Marija Markovina vermochte ihrem pianistischen Können keinen Zwang anzutun und kostete, gleichermaßen vom Orchester unterstützt, jede Möglichkeit zur künstlerischen Selbstdarstellung aus. War es der größere Bekanntheitsgrad des Mozartschen Klavierkonzertes Nr. 12 in A-Dur, KV 414, oder der Respekt vor dem genialen Werk, der die Pianistin wie den Dirigenten zu einer durchweg ausgewogenen Auffassung veranlasste? Lediglich der allzu häufige Gebrauch des linken Pedals, der den Tönen einen gläsernen Klang verleiht, störte die Harmonie. Bei den Zugaben, die Ana-Maria Markovina bereitwillig gab, war das Optimum der Anschlagskunst nicht immer erreicht. Bei der abschließenden Sinfonie Nr. 29 in ADur, KV 201 des 18-jährigen Mozart waren die Bonner Künstler unter sich. Heribert Beissel konnte unter Beweis stellen, dass er und sein Orchester sich zu Recht als Spezialisten der Weimarer Klassik verstehen. Der Schwung und die lebensbejahende Heiterkeit, mit der sie diese Komposition, besonders das abschließende Allegro conspirito, servierten, forderten eine Zugabe.
Armin Kansteiner, Westfalen-Blatt, 27.11.2014

Viel Sinn für Details
Pianistin Markovina bei Konzertreihe „Wiener Klassik“
Die langjährige intensive Beschäftigung Ana-Marija Markovinas mit dem Klavierwerk Carl Philipp Emanuel Bachs mündete nicht nur in einer hoch gelobten Gesamteinspielung des Klavierwerks des bedeutenden Sohns von Johann Sebastian Bach, sondern sie trug auch in der gut besuchten Karlsruher Stadthalle Früchte. Hier stellte die Pianistin in der Reihe „Wiener Klassik“ das d-Moll-Konzert Bachs Wq 23, einen seiner insgesamt 53 Beiträge zu der Gattung, dem A-Dur-Konzert KV 414 Wolfgang Amadeus Mozarts gegenüber. Und bei dem mit vielen überraschenden Wendungen aufwartenden d-Moll-Konzert zeigte sie nicht nur ausgefeilte Pianistik, aufmerksam von Heribert Beissel und der Klassische Philharmonie Bonn begleitet, sondern viel Sinn für die Feinheiten der Musik des Bach-Sohns, der vor 300 Jahren geboren wurde. Dem sprunghaft wirkenden Werk, bei dem sich stilistisch Elemente von Barock und beginnender Klassik zu einem ganz eigenen Stil mischen, blieb sie kein fein ausgehörtes Detail schuldig. Ihre Nähe zu dieser oft verkannten Musik unterstrich sie bei einem zugegebenen Rondo Carl Philipp Emanuel Bachs. Farbigkeit des Spiels, überzeugende Phrasierung, ein auch im Piano stets abgerundeter Ton, eine gelungene Balance von Emotionen und Formgefühl prägte ihr Spiel auch bei Mozart. Ohne sentimental zu werden, gelang ihr der Ausgleich zwischen emotionalem Tiefgang und glitzernder Brillanz. Das 1782 entstandene Konzert stellt zudem eine Hommage an einen anderen Bach- Sohn, Johann Christian, dem „englischen“ Bach, dar, der am 1. Januar 1782 gestorben war. Das Hauptthema des langsamen Satzes des A-Dur-Konzertes ist dessen Oper „La calamita die couri“ entlehnt. Zum Auftakt im sehr gut besuchten Brahmssaal hatten die jungen Musiker der Klassischen Philharmonie Bonn Georg Friedrich Händels Concerto grosso G-Dur op. 6,1 in einen dichten, etwas schwerfällig-plüschigen Streichersound getaucht, wie man ihn aus den 1960er Jahren kannte. In der Stadt der Händel-Festspiele wirkte dies doch recht anachronistisch. Mit der abschließenden Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201 Mozarts boten Beissel und sein Orchester einen fulminanten Abschluss. Mit Schwung, ansprechendem Charme und vielen feinen instrumentalen Details musizierte Beissel die in Salzburg entstandene Sinfonie, deren rasant genommenes Finale der Klassischen Philharmonie Bonn Gelegenheit bot, ihre orchestrale Virtuosität zu demonstrieren.
Badische Neueste Nachrichten Ettlingen, 18.11.2014

Beissels Verwöhnprogramm
Zweites Konzert der Wiener-Klassik-Reihe mit brillanter Pianistin
BONN. So sehen Heribert Beissels Verwöhnungen aus. Dann stehen nämlich – wie jetzt im zweiten Konzert seiner Wiener-Klassik-Reihe in der Beethovenhalle – nicht nur gleich zwei Klavierkonzerte im Programm, er bringt auch noch eine offenbar völlig ermüdungsfreie Pianistin mit, die nach jedem auch noch eine üppige Zugabe im Gepäck hat. Was natürlich den Dirigenten Beissel selbst auch dabei ein bisschen verwöhnt – mit zwei Pausen zusätzlich. Aber er hat sie sich auch verdient mit seinem Musikangebot, in welchem er einfallsreich das Schöne mit dem Interessanten und Seltenen verbunden hat. Für das Seltene war dabei vor allem auch seine Pianistin Ana-Marja Markovina zuständig. Sie hat sich mit Carl Philipp Emanuel Bach gerüstet, dem zweiten Bach-Sohn, der am Preußenhof in Berlin und danach in Hamburg den Ruf des fast schon vergessenen Vaters in den Schatten stellte.
300. Geburtsjahr von Carl Philipp Emanuel Bach
Für Ana-Marja Markovina und Beissel war das 300. Geburtsjahr von Carl Philipp Emanuel der Anlass, den dieser eigentlich nicht wirklich bräuchte. Höchstens das Publikum, das wenig Gelegenheit findet, sie kennenzulernen. Seine Sonaten haben den Weg für das Jahrhundert des Klaviers freigeschaufelt, sie sind oft schwierig, greifen weit aus und geben dem Spieler was zu tun, aber begründeten vor allem auch das Format. Die äußerst tüchtige Pianistin – sie hat, russische Schule, auf 26 CDs das gesamte Klavierwerk aufgenommen – spielt das erfolgreich in aller Welt. Und überdies hat sie mit dem d-Moll-Konzert Wq 23 das vielleicht bekannteste Konzert mit Beissels Philharmonikern aufgeführt, aus deren Reihen schon der schöne Anfang kam, Händels Concerto grosso op.6, 1 mit sehr schönen Solostreichern. Beim Bachsohn hat Markovina über die Brillanz noch das Melodische auf den Weg gebracht, das mit ihm Einzug hielt. Mit dem zweiten Klavierkonzert im Programm, Mozarts KV 414 in A-Dur, keins der ganz Großen, hat man es leichter gehabt, auch was die Vertrautheit angeht. Wie viel mehr dann mit der ersten richtig bedeutenden Sinfonie in A-Dur. Beissels Zuhörer zeigten sich in der gut besuchten Beethovenhalle begeistert.
Kölnische Rundschau, 17.11.2014

Musik, die zweifelt
Im Zeichen des Bach-Sohns: Ana-Marija Markovina
Im langsam zu Ende gehenden Jubiläumsjahrvon Carl Philipp Emanuel Bach, der vor 300 Jahren geboren wurde, hat die Gesamteinspielung des Klavierwerks des großen Bach-Sohns (Hänssler Classics 26 CDs 98003) durch Ana-Marija Markovina durchgängig positive Resonanz ausgelöst. Das Unterfangen der kroatischen Pianistin, die über 300 Werke des Komponisten auf einem modernen Bösendorfer einzuspielen, ist indes mehr als nur eine „editorische Großtat“, legt die Pianistin, die in Wanne-Eickel aufwuchs und heute mit ihrer Familie in Köln lebt, doch ein ebenso anregendes wie unterhaltsames Bekenntnis zu Carl Philipp Emanuel Bach ab. Sie zeigt wie fantasievoll, eigenständig und ungewöhnlich die vielfältigen Kompositionen sind. „Dieser Bach ist nicht klassisch, er ist romantisch, auch wenn es klassische Elemente in seiner Musik gibt“, betont die Künstlerin. Dabei hat sie wenig Bekanntes schon immer interessiert, wie ihr Einsatz für die Musik des Liszt-Schülers Anton Urspruch oder der Komponistin Luise Adolpha Le Beau unterstreicht. Ana- Marija Markovina, die nicht aus einer Musikerfamilie stammt, erhielt dennoch schon mit vier Jahren Klavierunterricht, zu ihren Lehrern gehörten Vitaly Margulis, Anatol Ugorski und Paul Badura- Skoda. Die künstlerische Suche, der Blick hinter die Werkoberfläche und die Beschäftigung mit der Psychologie der Musik bestimmt ihr Spiel und die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Komponisten. Diese Herangehensweise hat wohl auch ihre Affinität zur Musik Bachs bestärkt, mit der die Pianistin sich seit zehn Jahren befasst, meint sie doch „er komponiert, wie wir als Menschen sind: unvollkommen, zweifelnd, widersprüchlich, komplex – eben menschlich“. In Karlsruhe kann man die interessante Künstlerin am kommenden Sonntag, 16. November, ab 20 Uhr in der Reihe „Wiener Klassik“ in der Stadthalle erleben. Hier stellt sie Carl Philipp Emanuel Bachs d-Moll-Klavierkonzert dem A-Dur-Konzert KV 414 von Mozart gegenüber, der über Bach sagte: „Wer von uns was Rechtes kann, hat von ihmgelernt.“
Badische Neueste Nachrichten Karlsruhe, 12.11.2014

„Verrückte Musik“ des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel im Kurhaus
WIESBADEN – Ob da wohl manche aufgeatmet haben, als Dirigent Heribert Beissel beim zweiten Saisonkonzert der „Wiener Klassik“ die Zugabe des Dänen Carl Nielsen ankündigte? „Er ist schon tot, das ist keine moderne Musik!“, beruhigte Beissel. Und wenn? Wenn alles, was „modern“ ist oder je war, nicht aufgeführt würde? Dann hätte das Publikum im Kurhaus auf das spannende Konzert für Klavier und Streicher Wq 23 von Carl Philipp Emanuel Bach verzichten müssen. Denn das Werk des bekanntesten, 1714 geborenen Sohns von Johann Sebastian Bach hat seinerzeit mit ziemlich allen bis dahin vertrauten Regeln gebrochen. Ana-Marija Markovina war die Pianistin, die nach Carl Philipp Emanuel Bachs Klavierkonzert gleich noch eine seiner Solo-Fantasien zugab, „verrückte“ Musik „ohne Taktstriche“, wie die 41-jährige kroatische Pianistin sagte. Sie, die unlängst ihre Gesamteinspielung aller Klavierwerke des Bach-Sohns abgeschlossen hat, spielte das Klavierkonzert in all seinen Stimmungsbrüchen, rhythmischen Ecken und harmonischen Kanten mit viel Lust am Wagnis. Oberflächlich abgestimmt Schade, dass die Klassische Philharmonie Bonn ihren hier durchaus werkgerechten, immer zügigen, unkonventionellen Ansatz nicht recht teilen mochte: Beissel und sein Orchester folgten akkurat, aber manchmal bremsend und ohne adäquates Stürmen und Drängen. Bereits zuvor, in Händels Concerto grosso G-Dur op. 6/1 hatte Beissel nicht nur auf das unverzichtbare Cembalo verzichtet, sondern auch auf eine Deutung, die mehr als einen Pflicht- oder Einspielcharakter vermittelt hätte. Nur oberflächlich abgestimmt wirkte das Spiel zwischen Solistin und Orchester in Mozarts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 12 A-Dur KV 414. Im dialogischen Detail nämlich gab es immer wieder Ungereimtheiten, etwa wenn Markovina eine Phrase anschwellen ließ, das Orchester sie dagegen bei der Tutti-Antwort gleichförmig wiederholte. Forsch ging es hier am ehesten noch in Markovinas zweiter Zugabe zur Sache, bevor die Klassische Philharmonie Mozarts Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201 ebenmäßig, hell, präzise undendlich auf ihrer gewohnten Höhe aufführte.
Wiesbadener Tagblatt, 08.11.2014

Porträt Ana-Marija Markovina: Wenn das Gestern zum Heute wird
„Mein Leben zog in dieser Zeit an mir vorüber “: Ana-Marija Markovina ist an der Auseinandersetzung mit C.P.E. Bach selbst gewachsen
Überall ist er zu spüren, in dieser Jugendstil-Villa im Kölner Norden: der Atem einer Zeit, die vergangen scheint und hier doch zugleich präsent und lebendig ist – ob nun an der Hausfront, im Foyer oder im Wohnzimmer. Anfang des 20. Jahrhunderts entwarf der Großvater ihres Mannes das Haus, heute lebt Ana-Marija Markovina hier mit ihrer Familie. Und übt: Meist am Steinway vor dem Fenster zum Garten, an dem daneben stehenden Ibach-Klavier trällert gelegentlich ihre kleine Tochter. Dabei sei „Musikmachen eigentlich ein einziger Anachronismus“, behauptet die Pianistin. Ein Satz, der in solch einer Umgebung naturgemäß eine ganz eigene Bedeutung gewinnt, doch Ana-Marija Markovina zielt auf seine generelle Aussage: „Der Kontrollwahn unserer Zeit passt nicht gut zum Musizieren.“ Musik brauche Freiheit, die Lust am Unkalkulierbaren, das Wagnis. Stattdessen würden Karrieren heute minutiös geplant, von Agenten kalkuliert, und technische Vollkommenheit werde zum Ideal erhoben.
Ana-Marija Markovina ist ein hellwacher Geist, rasch in ihren Gedanken, einleuchtend in den Argumenten und erfrischend skeptisch gegenüber allem, was mit Vermarktung und Events zusammenhängt.
Ständiger Blick über den Tellerrand hinaus
„Mit zunehmender Erfahrung habe ich versucht, alles Kontrollierte am Klavier abzubauen: Ich übe mehr, ich übe bewusster, aber im Konzert spiele ich dafür mit vollem Risiko.“ Schon als kleines Kind zog es sie ans Klavier: Der Vater Mathematiker, die Mutter Architektin – da liegt eine Künstlerlaufbahn nicht gerade auf der Hand. „Doch ich wollte bereits früh Klavierunterricht bekommen und mit vier Jahren, so hat man es mir berichtet, Musikerin werden.“
Aufgewachsen in Wanne-Eickel, studierte Markovina später in Detmold, Weimar und Berlin und fraß sich in dieser Zeit nicht zuletzt lesend durch die Welt- und Kulturgeschichte. Daher auch ihre Neigung, Psychologie und Kunst zu verbinden: „Der Mensch hinter der Musik ist für mich immer ein Vorbild. Alle großen Komponisten haben ein hohes Maß an Disziplin aufgebracht und gleichzeitig in ihrer Fantasie alle Genialität ausgelebt.“ Verstand und Gefühl als ein Prozess, die Psychologie als Entlastung der Seele, die Lust am Wissen: Bei der Kroatin hängt das Musiker-Sein unabdingbar zusammen mit dem Blick über den Tellerrand hinaus.
Kein Wunder also, dass schon ihre bisherige Diskographie etliche Überraschungen parat hielt – darunter Klavierwerke von Hugo Wolf und Anton Urspruch oder Humperdincks vierhändige Fassung des Parsifal. Doch mit der Gesamtaufnahme sämtlicher Klavierwerke von Carl Philipp Emanuel Bach hat Markovina nun einen diskographischen Meilenstein gesetzt. Physisch sei diese Zeit eine enorme Belastung gewesen, die prall gefüllten Aufnahmetage hätten sich bis zu elf, zwölf Stunden hingezogen. „Ich musste so spielen, dass möglichst wenige Schnitte nötig sind – die beiden Tonmeister haben mich da durchgetragen, und wir kamen alle an unsere Grenzen.“ Doch bei allen Konzentrationshürden, bei allen Noten, die täglich von ihrem Kopf in die Finger wandern mussten, am Ende blieb vor allem eines: „Ich liebe diese Musik, ich liebe diesen Carl Philipp.“
Eine Herausforderung, an der sie wachsen konnte
Denn jedes Stück habe etwas Besonderes, etwas Rätselvolles. „Jeder Sechzehntellauf ist zugleich eine verborgene Melodie. Wenn man das auch so zu spielen versucht, bekommt die Musik automatisch eine ganz andere Struktur. Dieser Bach ist nicht klassisch, er ist romantisch, auch wenn es klassische Elemente in seiner Musik gibt.“ Man merkt Markovina an, wie sehr sie für „ihren“ C. P. E. Bach brennt und wie dankbar sie ist, dieses Projekt realisiert haben zu können. „Ich bin an dieser Aufgabe enorm gewachsen. Es war wie ein Reset: Ungewollt zog mein ganzes Leben in dieser Zeit an mir vorüber.“ Die Vergangenheit kann eben nicht nur in der Architektur sehr gegenwärtig sein.
Christoph Vratz, Concerti, November 2014

C.P.E. Bach : Intégrale de l’œuvre pour piano seul. Markovina
Un monument ! À la gloire de celui qui consacra une grande partie de son œuvre au clavier : Carl Philipp Emanuel Bach. Hänssler nous gratifie d’un coffret de 26 CD regroupant cette somme inédite. Très jeune, Carl, deuxième fils de Jean Sebastien, fit preuve d’une très grande habileté sur les instruments à clavier. Ses œuvres sont écrites pour le clavecin mais aussi pour les premiers pianoforte. Il fut l’auteur d’un des grands traités sur les méthodes de jeu au clavier, publié en 1753. S’il est le digne successeur de son père dans sa manière instinctive d’aborder le clavier. Carl Philipp fut surtout un grand visionnaire de la forme, justement salué par les critiques : Burney : « c’est le seul des musiciens avec Benda à avoir son syle propre, les autres sont des imitateurs » sans oublier les plus grands compositeurs du classicisme à venir : Haydn « Ceux qui me connaissent bien savent ce que je dois à Emanuel Bach », Mozart : « Il est le père, nous sommes les enfants ». Ils voient en lui un véritable maître dont il se sentent redevables. Carl Philipp Emanuel renouvelle la forme sonate en ajoutant un second thème au premier mouvement, ce qui lui permet de les opposer ou de les combiner, concluant avec une coda récapitulative. On trouve donc dans les quelques recueils de sonates présents dans le coffret une structure inchangée : un premier mouvement allant et rythmique suivi d’un mouvement lent d’allure mélodique et enfin, un final basé sur une danse rapide et qui sera développé plus tard en rondo. Si cette prédilection pour le squelette musical comme disait Antoine Goléa (en réduisant ces œuvres à une armature désincarnée), est patente dans les recueils principaux (Sonates Prussiennes et de Wuttenberg 1742 – 1744), l’imagination musicale de Carl Philipp Emmanuel n’est jamais prise en défaut jusque dans les pièces purement didactiques. Héritée du Stylus Phantasticus, la forme libre est prétexte à fantaisies, variations. Le contrepoint n’est jamais loin mais n’est pas prioritaire comme chez Wilhem Friedemann. Surtout l’improvisation est reine et sans limite. Dans son déploiement, elle se charge d’une tonalité intime. Bach se livre à nu à travers sa musique, son quotidien, ses doutes, ses joies, ses désirs. Une large palette d’émotions traverse ces pages pleines de surprises et de digressions. La musique selon Carl Philipp Emanuel doit toucher le cœur, affecter les sentiments. Marquages dynamiques, harmonie chantournée, mélodies malmenées, rythmes souvent rompus par des silences interloqués. C’est une apothéose sonore dont le flux nous emporte au fil des notes. Dans ce somptueux coffret, Anna Marija Markovina interprète notamment l’intégrale en sept CD du fameux Vollständige sammlung aller ungedrunkten claviersonaten Wq 65. Ainsi que le recueil Wq 62 (en 3 CD) des leçons pour connaisseurs et amateurs encore sous forme de sonates aux mouvements brefs et percutants. Un ensemble de pièces variées : fantaisies, rondos, menuets; suites, sonatines, concertos ou symphonies dans leur version pour clavier seul, complètent ce très riche panorama clavieristique. Après les belles réalisations d’Andreas Staier et de Bob Van Asperen au clavecin, la pianiste croate renouvelle l’interprétation de l’oeuvre de Carl Philipp Emanuel Bach. Par le choix singulier d’un piano Bösenforfer Impérial, justifié par l’interprète, qui apporte à cette musique les lumières de l’Empfinsamkeitstil. Fleurant les fragrances d’un classicisme superbe et hautain ici nullement hors sujet ni dérangeant. Par la finesse du toucher de la pianiste qui exploite toutes les ressources du grand piano, subtilités des timbres combinant basses veloutées et suraigüs exquis. Le registre médium, le plus utilisé, exaltant à la fois la douceur couvrante de la laine mohair et et l’éclat du platine. Markovina est une adepte de la ligne claire, son dessin de la main droite est net, précis, détouré ; de la main gauche elle grise (avec la sourdine) et noircit à l’envie pour marquer les ombres. Ni ornement baroque, ni galanterie. Ni retouches, ni rehauts. Peu de pédale. Elle fait sonner Bach comme du Haydn, laissant transparaitre dans le galbe de son jeu, une tendesse avérée et une joie diffuse. Ecoutez avant tout la fameuse et très mozartienne fantaisie (fort commentée par ses contemporains) qui clôt la sonate en fa mineur Wq 63 : pure rhétorique musicale jouée avec une contention et une profondeur absolues. Chaque disque est une mine de découverte et un vraie jouissance de mélomane. En un mot : Herrlich !
Jérôme Angouillant, Clic Musique, November 2014

C. P. E. Bach: The Complete Works for Piano Solo / Ana-Marija Markovina
C. P. E. Bach turns three hundred this year, and Hänssler Classic’s 26-CD survey devoted to the composer’s complete solo keyboard works stands out on many levels. It is as complete as humanly possible, encompassing published and unpublished works alike. And whereas the BIS and Brilliant Classics C.P.E. Bach keyboard cycles feature a wide array of period instruments, Ana-Marija Markovina plays everything on a concert grand piano. It could be said that the composer’s penchant for ornamentation in the form of embellishments and cadenzas is rooted in the ornate tradition of the clavichord and harpsichord. On the other hand, the piano arguably offers greater ease and immediacy in shaping Bach’s rapid virtuosic passages and pronounced dynamic contrasts. This particularly holds true in Markovina’s interpretations, abetted by the use of a Bösendorfer grand piano whose timbral distinctions in different registers mirror the best preserved fortepianos, not to mention a close-up yet warm and robust recorded ambience that is appropriate to Bach’s intimate, finely honed yet harmonically volatile keyboard writing. Although the first twenty discs are not programmed chronologically, each CD includes a complete group of works (sonatas, short pieces, etc.) or the start of a group that continues in sequence over the next disc or two.
Discs 20-26 contain all of Bach’s unpublished piano sonatas. My only quibble is that Hänssler didn’t provide a cross-indexed table of contents to facilitate locating a specific work. Markovina’s fusion of stylish poise and emotional intensity becomes all the more evident with comparative listening. Take, for example, Danny Driver’s Hyperion recording of the unpublished G minor Sonata Wq 65, 17. He rounds off the Allegro assai’s angular unison melodies gracefully and similarly tapers the cross-rhythmic broken chords. Then there’s Mikhail Pletnev’s clipped articulation and mannered sectionalization of the music’s thematic contrasts. However, Markovina’s phrasing underlines the harmonic tension, while her incisive, seemingly abrupt accents sharpen the music’s inherent dramatic profile and heighten the impact of Bach’s unpredictable silences. In the wonderfully quirky D minor Rondo Wq 61, 4, Pletnev’s meticulously worked-out pianism pays ravishing dividends in and of itself.
If less flashy on the surface, Markovina’s interpretation reveals more carefully differentiated legato and detached articulation and just as much nuance as Pletnev. Compared with Glenn Gould’s lean, motoric reading, Markovina brings comparable drive yet a more fluid and flexible expressive palette to the A minor „Württembergische“ Sonata Wq 49, 1 finale. As a result, you readily hear how the work foreshadows the first movement of Mozart’s K. 310 Sonata first movement in the same key. At places where the composer places pauses to indicate cadenzas, Markovina mostly uses those of composer and scholar Federico Biscione. What is more, the pianist extends equal care and consideration to smaller works such as variation sets and dances; even the slight and easily sight-readable E-flat Polonaise Wq 116, 2 conveys genuine pomp and gravitas.Needless to say, Markovina’s comprehensive and caring advocacy for this capricious, inventive and endlessly fascinating keyboard music adds up to a major catalog contribution and a reference C.P.E. Bach cycle that is not likely to be surpassed for years to come.
Jed Distler, arkivmusic.com, Oktober 2014

„Einfach göttlich“ das Konzert
Auftritt ohne Dirigenten – Pianistin Ana-Marija Markovina und Orchester harmonieren dennoch Gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg konzertierte am vergangenen Sonnabend die Pianistin Ana-Marija Markovina in der Stadt. Zahlreiche Zevener fanden sich ein weiteres Mal im Rathaussaal ein, um hochkarätige Klassik zu genießen. Chicago, Washington, Berlin, Hamburg– in der Welt ist Ana-Marija Markovina zu Hause. Und doch hat sie dank Luise del Testa den Weg in den Zevener Rathaussaal gefunden. „Wir sind befreundet. Es hat immerhin neun Jahre gedauert. Aber heute spielt sie endlich hier“, freut sich del Testa.
Die Solistin am Flügel gilt als besonders authentische und unkonventionelle Künstlerin. Erst in diesem Jahr hat sie die Gesamtaufnahme der Solowerke für Klavier von Carl Philipp Emanuel Bach auf sage und schreibe 26 CDs gebannt. Dafür erhielt Markovina den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Selbstverständlich war neben anderen Tonträgern der Ausnahmepianistin auch das preisgekrönte Werk im Rathausfoyer erhältlich. Die, die nicht da waren, haben den Auftritt einer Ausnahmepianistin verpasst, die durch technische Perfektion und emotionalen Ausdruck zu überzeugen wusste. Umrahmt wurde ihr Auftritt in unvergleichlicher Manier von den jungen Musikern der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg. Diese wurden zum heimlichen Star des Abends, denn sie mussten ohne ihren Dirigenten auskommen. David Alexander Rahbee hätte eigens aus seiner Heimatstadt in den USA anreisen sollen. „Eigentlich sage ich nach dem Konzert nie etwas,“ so Markovina, „aber ich möchte mich an dieser Stelle für die Professionalität und die unglaubliche Musikalität des Orchesters bedanken. Ich bitte um Entschuldigung, dass der Dirigent nicht hier ist. Der Flieger aus Seattle kam ohne ihn an. So hat das Orchester wenige Stunden vor dem Konzert kurzerhand beschlossen, auch ohne ihn zu spielen“. Später zeigte sie sich „fast zu Tränen gerührt“ über diese Leistung. Dass die Musiker perfekt auf einander zu hören vermochten, hatte die erfahrene Konzertpianistin ganz offenbar tief beeindruckt. Beeindruckt hat auch die Zuschauer der musikalische Gesamtvortrag, wenn auch spürbar war, dass dem Publikum Mozart vertrauter ist als Carl Philipp Emanuel Bach, der nicht mit Johann Sebastian Bach zu verwechseln ist. „Einfach göttlich,“ war der Kommentar einer Zuschauerin am Ende. Damit war alles gesagt. „Es hat immerhin neun Jahre gedauert. Aber heute spielt sie endlich hier“, Luise del Testa.
Heike Paukert, Zevener Zeitung, 29.09.2014

Carl Philipp Emanuel Bach und seine Brüder
„Es macht Freude, Markovinas brillantem Spiel, ihrer flirrenden Trillerkunst und den subtilen Anschlagsnuancen zuzuhören. Auch die rhythmische Originalität C. P. E. Bachs weiss sie forsch und keck auszuspielen. Dass sie als die wohl beste Kennerin von C. P. E. Bachs Klaviermusik hier auch dessen unveröffentlichte Clavier-Sonate Wq 65 einspielt, erhöht den dokumentarischen Wert dieser CD-Box. Zudem sind die einfachsten kurzen Menuette erfasst, die sich gut als Anfängerliteratur eignen. Einen besonderen Hinweis verdient das CD-Booklet, das verschiedene Aspekte von C. P. E. Bachs Leben und Klaviermusik erhellt.“
Sibylle Ehrismann, Der Landbote, 24.09.2014

Markovina Aces CPE Bach, Plus 25 Greatest Hits In Score
This 26-CD set containing CPE Bach’s complete solo piano works represents a landmark of the highest importance and, more significantly, listening pleasure. Ana-Marija Markovina has made a specialty of playing these works. She previously recorded the Prussian and Württemburg sonatas (for Genuin), but it is difficult to overstate the richness and variety found on these discs, or Markovina’s consistent success in rendering it all with such freshness, excitement, intensity, and charm.
CPE Bach’s keyboard output consists primarily of sonatas, dozens of them, ranging over the entire course of his career, roughly from the 1740s through the 1780s. Most are three-movement pieces in fast-slow-fast form, but there are also rondos, fantasias, variations, character pieces, teaching pieces, arrangements of concertos and other orchestral works, dances, and everything from the very simple to the exceptionally complex, both technically and expressively—an entire world. More astonishingly, the quality of this music is almost uniformly high. Bach was a true craftsman, and while everyone will have their favorite works–and it’s pointless to say that it’s all equally good–you can sample just about anything on any of these discs and you will find plenty to enjoy and captivate your attention.
Markovina plays this music on the modern piano, the instrument that comes closest to any available in Bach’s day to realizing his clearly notated intentions. For example, he almost always asks for a full range of dynamics, from pp to ff, and his writings make clear that he valued above all a beautifully sustained, singing tone. The clavichord offered him the most possibilities in this regard at the start of his career, while in his last years his clear preference was for the piano (even though he had expressed reservations about early versions of the instrument in his 1750s Essay on the True Art of Playing the Keyboard). Markovina exploits the piano’s full dynamic range, as well as its ability to vary articulation, sustain the melodic line, and add muscle to Bach’s emphatic and often syncopated rhythmic schemes. In this respect she is far bolder than, say, Danny Driver’s genteel, almost effeminate CPE Bach recordings on Hyperion.
However, the most telling comparison has to be made with Miklós Spányi’s ongoing series of the complete keyboard works for BIS. Spányi uses period instruments, which have some advantages (the clavichord’s vibrato, for example), but also all of their inadequacies, including a lack of sustaining power and often a great deal of mechanical noise. On the piano, Bach’s music sounds modern; on early instruments, it sounds old. This contrast is exacerbated by Spányi’s inability to play a true allegro at speed. Consider, for example, the marvelous Sonata in B minor Wq. 65/13, which dates from the 1740s. The finale is marked “Allegro molto”. Spányi takes about six minutes (on the clavichord), Markovina slightly more than three. The difference in both sonority and expressive intensity is shocking, with Markovina infinitely more powerful and exciting.
CPE Bach’s modern reputation rests largely on his music in the “empfindsamer Stil”, with its highly expressive, emotionally eruptive, and constantly surprising writing; but a little-known aspect of this style was also the attempt to imbue music with a genuine sense of humor. Haydn, for example, learned a great deal from Bach’s pregnant use of silence. So rather than offer the usual examples of minor-key pathos, I offer as a listening sample the start of “L’Aly Rupalich”, a character piece also provisionally entitled “La Bach”, and possibly intended as a self-portrait of the composer. CPE Bach scholar Paul Corneilson describes the work as “a disco piece”, and how right he is (sound clip).
Corneilson is also the Managing Editor of the Packard Humanities Institute’s ongoing CPE Bach Complete Edition, and it is largely thanks to that organization that this set of recordings has been made possible. CPE Bach fans, then, should be delighted to know that Corneilson has assembled an absolutely splendid volume of scores under the title The Essential C.P.E. Bach, containing 25 “greatest hits” from the composer’s keyboard, chamber, orchestral, and vocal music. Retailing for only $50, this beautifully printed, 350-page volume also contains excellent introductions to the composer as well as all of the music contained therein, a bibliography, a select discography, and a concordance that helps to locate each work by Wotquenne and Helm numbers.
David Hurwitz, classicstoday.com

Ana-Marija Markovina y la integral para teclado de C.P.E Bach
„Este año habré tenido el privilegio de presentar dos de las más interesantes novedades discográficas publicadas en homenaje a C.P.E. Bach durante el tercer centenario de su nacimiento. Pues bien, si la primera de ellas incluía obras de este reeditadas por el mismísimo Johannes Brahms, la integral de teclado a la que se entregan estas líneas bien pudiere sonar, en esencia, como hubiere sonado en los dedos del romántico más clásico. Lo digo por la interpretación de Ana-Marija Markovina, clásica y romántica; lo digo por la elección del piano de cola.
No seré yo quien justifique el anacronismo apelando a la contemporaneidad del Bach de Hamburgo, que el instrumento mucho ha que dejó de ser moderno; o vendiendo este como un clavicordio mejorado, aun obviando la milénica prepotencia, aun por mucho que recordemos que Carl Philipp lo prefiriera frente al clave, o que saludara de la mejor de las maneras la llegada de los primeros fortepianos.
Resulta que, sencillamente, a quien ame la música per se no le hará falta más autorización para el disfrute, ni tendrá, a propósito, que abandonar a Spanyi y compañía: Markovina toca fantásticamente, eso es un hecho, y la música de Bach luce esplendorosa en sus fraseos, completamente equilibrados, mimados hasta en el último detalle. Cierto es que a veces se echan en falta el staccato de los claves, el bebung de los clavicordios o, en menor medida, la tímbrica del fortepiano. Pero, contenido el legato, la precisión técnica de las articulaciones es incontestable, y la suave pulsación resulta tan fluyente como el agua, de elegancia casi chopiniana. Sin duda, lo que más llama la atención es el domeñado de los adornos, cruciales en Bach, mostrados de forma totalmente interiorizada, humanizados.
Lo que fantaseé en torno a Brahms es incorroborable, pero sí es cierto que, durante todo el siglo XIX, las piezas para teclado de nuestro compositor se mantuvieron bien vivas —si bien en ámbitos académicos— sobre pianos cada vez más modernos. Además, y esto no se puede decir a la ligera, el señor instrumento es nada menos que un Bösendorfer imperial, aka el Rolls Royce de los pianos, por su calidad y por su precio multimillonario.
Hablamos de más de trescientas obras, veintiséis compactos, unas treinta horas largas de grabación durante más de un año de sesiones y tras una década entera de estudio. La pianista, que añade cadencias propias y del compositor Federico Biscione, descuella intimismo en los movimientos lentos, en los pianissimi, en cada sotto voce; también, en las piezas de carácter, en los rondós, caprichos y fantasías, obras todas cuya impresionante concepción expresiva y estructural exige tensión y concentración hasta en el más microscópico detalle. Lo cual deslumbra más aún en las piezas más breves, aquellas que duran solo unos segundos y se antojan esbozos impresionistas, destellos visionarios que no regresarían hasta las miniaturas de Schumann. Por otro lado, sobresalen otras partituras infrecuentes, como los efectistas arreglos que el propio Carl Philipp procuró a partir de sus sinfonías y conciertos; o como los juegos de variaciones, todos poco conocidos salvo, claro, el de la celebérrima folía. Ahora bien, el protagonismo absoluto sigue estando en las numerosísimas sonatas, cuyo corpus inmenso, para el Parnaso, servidor únicamente pondría junto a las de Scarlatti o las de Beethoven.
Pablo del Pozo, elartedelafuga.com, 07.09.14

Intégrale de l’œuvre pour piano seul. Ana-Marija Markovina (piano)
On ne pouvait espérer plus bel hommage pour fêter le tricentenaire de la naissance de Carl Philipp Emmanuel Bach: une vraie intégrale de ses « Sonates pour piano seul » sur un superbe Bösendorfer capté magnifiquement. Chez Carl Philipp Emanuel Bach, le clavier seul occupe une position centrale, malgré l’importance de sa production en d’autres domaines. Pour la première fois, une intégrale nous parvient d’un seul coup : corpus couvrant l’ensemble de sa carrière et comprenant, outre une multitude de pièces diverses, douze sonatines et pas moins de cent quarante sonates.Pour les sonates et sonatines, ce coffret suit la numérotation Wotquenne, de Wq. 48 (les six Sonates prussiennes) à Wq. 65 (la cinquantaine de sonates restées inédites du vivant du compositeur) en passant par Wq. 5052 (les dix-huit sonates avec reprises variées), Wq. 5559 et 61 (les six recueils pour connaisseurs et amateurs), ou encore Wq. 63 (les compléments au théorique Essai). Les pièces diverses se trouvent le plus souvent en fin de CD. L’ordre chronologique (celui du catalogue Helm) n’est donc pas strictement respecté : c’eût été quasiment impossible, et aurait brouillé les pistes. On est frappé par la qualité de cette musique, avec bien sûr de très nombreux ouvrages d’exception. Carl Philipp Emanuel se souvient parfois de son père, il “ annonce “ parfois Haydn, mais l’imprévu, le sens de l’improvisation, sont toujours au rendez-vous, sans oublier la maîtrise de l’instrument. L’artiste croate Ana-Marija Markovina joue au piano moderne. Choix brillamment assumé : on admire sa virtuosité, sa profondeur d’expression, sa finesse surtout, indispensable dans ce répertoire. Elle fait vivre ces sonates, rondos, menuets, polonaises et autres fantaisies, ce qui n’est pas toujours le cas de son unique concurrent, Miklós Spányi, trop timide au clavicorde et au pianoforte (CD parus isolément chez Bis sur une quinzaine d’années).
Marc Vignal, pianiste.fr, 26.08.14

CD-Besprechung: Carl Philipp Emanuel Bach – The Complete Works for Piano Solo
Vor beängstigend umfangreichen Editionen, die nur von einem einzelnen Interpreten gestaltet werden, möchte man gerne die Musikfreunde warnen. Schon so genannte Gesamtaufnahmen mit bekannten, fast schon populären Werken wie die 32 Klaviersonaten Beethovens zeigen, dass sie oft einem publizistischen Ehrgeiz entsprechen – jenem des Interpreten und jenem des Herausgebers. Vor allem solche Editionen, die gleichsam am Stück produziert werden – also nicht das Ergebnis einer jahrelangen Beschäftigung mit sporadischen Veröffentlichungen sind –, diese Einspielungen wirken nicht nur routiniert und oberflächlich, meist sie sind es auch! Ich denke da an Gesamtaufnahmen von Haydns Klaviersonaten und des Beethovenschen Klavierschaffens mit Rudolf Buchbinder (Telefunken, später Teldec), an großangelegte Haydn-Serien mit Walter Olbertz (Eurodisc 300 067-460) und Ekaterina Derzhavina (Hänssler PH 12037). Alfred Brendels Wirken hat gezeigt, dass es sich nicht nur kommerziell, sondern auch künstlerisch auszahlt, etwa Beethoven- oder Mozart-Sonaten gleichsam einem imaginären Tournee- und Lebensplan entsprechend in abwechselnder Zusammenstellung nach und nach herauszugeben. So kann man aufschlussreich verfolgen, wie seine frühe Beethoven-Darstellungen für das Label Vox pianistisch zwar tadellos sind, aber den späteren Philips-Produktionen im Bereich von Emotion und pianistisch verfügtem Intellekt unterlegen sind.
Das Thema ist aktuell, denn ein Projekt bietet den Klavierenthusiasten in jeder Hinsicht Anschauungsunterricht zum editorischen Thema im Allgemeinen und zur gestalterischen Ausformung eines Vorhabens im Speziellen. Hier handelt es sich um die erste Gesamtaufnahme der Solo-Klavierwerke von Carl Philipp Emanuel Bach mit der kroatischen Pianistin Ana-Marija Markovina, die vom Label Hänssler herausgegeben wurde.
Vor der immensen Gesamtleistung der u. a. von Vitaly Margulis, Anatol Ugorski und Rolf-Dieter Arens in ihrem künstlerischen Lebensweg geförderten Pianistin ziehe ich alle nur verfügbaren Hüte. Sie kümmert sich auf Grundlage einer nicht nur soliden, sondern auch im satztechnischen Ernstfall belastbaren Technik, die es ihr offensichtlich ermöglicht, auf die unterschiedlichsten Problemstellungen werkstilistischer und werkemotionaler zu reagieren. Anders gesagt und zugleich lobend hervorgehoben: es wird (und wurde mir) in diesen langen Stunden mit der Musik Carl Philipp Emanuels niemals langweilig. Stets versucht Markovina unter dem gewaltigen Materialdruck die gestaltende Oberhand zu behalten. Das heißt; die Sonaten, Fantasien, Rondos, Variationsreihen und als besonderer Repertoirebereicherung auch die Soloarrangements einiger Klavierkonzerte und Sinfonien wirken aufmerksam gelesen. Und dies im Allgemeinen auch dann, wenn ein Stück von „sonderbarer“ Eigenart die Interpretin zu vermehrter Hingabe und heftigerem expressiven Pegelausschlag zwingt.
Dass im Zuge einer solchen Mammutarbeit die eine oder andere Kostbarkeit nicht ganz in ihrem musikalischen Wert erkannt oder ganz einfach übersehen und überhört werden kann, zeigen meiner Ansicht nach zwei Stücke, die neben den sechs Württembergischen Sonaten für die insgesamt wenigen C. P. E. Bach-Bekenner von stärkerem Interesse zu sein scheinen. Im Fall des einen handelt es sich um den dritten Satz aus der Sonate in h-Moll (Wq 55,3) aus dem Jahr 1774. Ein „Cantabile“ von elegischer, nachdenklicher Melodik, fein liniert, einprägsam in der thematischen Erfindung – kurzum: eine kleine Kostbarkeit mit hohem Zugabenpotenzial für Pianisten auf Repertoiresuche. Mir ist dieses Stück zum ersten Mal im Rahmen einer frühern Cziffra-Einspielung mit Werken von Scarlatti, Lully, Couperin, Hummel, Krebs, Mozart (KV 310) und Beethoven (Polonaise op. 89!) begegnet. Ruhig, ohne Aufhebens sinnlich und sinnierend, schickte er die unschuldig wirkende Kleinigkeit auf die kantable Reise. Und auch sein junger Kollege Christopher Hinterhuber, der – wie er mir versicherte – diesen Satz durch die Cziffra-Aufnahme kennenlernte, verfolgt in seiner Naxos-Darbietung eine solche Dramaturgie. Ana-Marija Markovina nun hetzt, hechelt ohne jeden melodischen Schmelz durch dieses ohne Zweifel als Andante geplantes „Cantabile“, dazu noch etwas holprig in der Diktion – ein sonderbarer Fall von Fehleinschätzung einer thematisch und vom Ausdruck her ganz eindeutigen Vorlage.
Im musikalischen Um- und Wendekreis der bedeutenden, geradezu zukunftsweisenden Fantasie in fis-Moll (Wq 67 bzw. H 300) geht es zum Glück nur um Nuancen. Das zerfurchte, unwirtliche musikalische Gelände dieser für die damalige Zeit sicher erschreckend subjektiven „Einzelsitzung“ durchquert und beleuchtet Markovia mit markanten Akzenten und Zäsuren. Sie zeigt aber auch Sinn für die kleinen Ermüdungen und Erholungen auf der womöglich von Bach wie selbstanalytisch entworfenen „Empfindungsreise“. Die immerhin fast 13 Minuten in Anspruch nehmende Fallstudie erhält somit in ihren Umrissen und in ihren psychologischen Bebungen überzeugend Gestalt. Um eine Spur energischer, auch aggressiver in der Werkinszenierung verhalten sich allerdings Interpreten wie Alexei Lubimov oder jüngst auch die deutsche Pianistin Danae Dörken.
Diese Hinweise sollen und können den Wert dieses ungemein sorgfältig edierten und ausführlich kommentierten Hänssler-Schwergewichts nicht schmälern. Allein die Tatsache, dass man sich nun endlich im editorischen Gewirr der Werke zurecht finden und damit auch die bisher meist nachlässig platzierten Stücke einordnen kann, wird jedem Musikfreund, vor allem aber den fachlich mit Musik befassten Hörern willkommen sein.
Peter Crossé, klassik-heute.com, 04.08.2014

„Für die NZZ hört sich Marcus Stäbler durch die Fülle neuer Aufnahmen von Werken Carl Philipp Emanuel Bachs, aus denen insbesondere die 26 CDs umfassende Gesamteinspielung sämtlicher Soloklavierwerke durch die kroatische Pianistin Ana-Marija Markovina herausragt: „Auch dreihundert Jahre nach seiner Geburt überrascht der Komponist immer wieder mit seinem mitunter radikalen Eigenwillen – etwa in einer späten fis-Moll-Fantasie für Klavier aus dem Jahr 1787, in welcher der damals 73-jährige Bach seine Gedanken verträumt von einem Thema zum nächsten schweifen lässt und dabei immer wieder romantische Regionen streift. Zu einer Zeit, wohlgemerkt, als etwa ein Franz Schubert noch nicht einmal geboren ist.“
spiegelonline.de, 06.06.14

Ana-Marija Markovina records the complete piano works of ‘Bach the son’
This past March, shortly after the 300th birthday of Carl Philipp Emanuel Bach http://www.examiner.com/article/a-recording-project-for-the-keyboard-concertos-of-carl-philipp-emanuel-bach, Johann Sebastian Bach’s second surviving son, I took stock of the ambitious efforts of the hänssler CLASSIC label to celebrate this anniversary year. However, I did not fully appreciate the extent of the label’s ambitions until I encountered the box set <http://www.amazon.com/C-P-E-Bach-Complete-Works-Piano/dp/B00IGJP0Q6/ref=sr_1_1> of pianist Ana-Marija Markovina recording the complete keyboard works of “Bach the son.” Consisting of 26 CDs, this is an impressively thorough effort to cover the entire keyboard canon, including the unpublished works, as well as the published ones, and the entries in Eugene Helm’s 1989 catalog that had not been included in the 1906 catalog compiled by Alfred Wotquenne.
As important as thoroughness, however, is Markovina’s decision to play all of this music on a modern piano. Bach lived a full life, born on March 8, 1714 and living until December 14, 1788, meaning that he most likely was born after Bartolomeo Cristofori built his first piano (which was probably before 1700). By the time he died, we have every reason to believe that Wolfgang Amadeus Mozart was already composing with this “modern” instrument in mind; and the same can be said of Joseph Haydn with about the same level of confidence.
Purists may still prefer to insist that Bach’s music would have been better served by a “period” instrument. However, Bach was a very demanding virtuoso. Between his source material and the scrupulous efforts of subsequent scholarly editors, we have grounds to assume that Bach appreciated the rhetorical impact of not only the clear distinctions between piano and forte but also the gradual transitions between them achieved through decrescendo and crescendo, that latter having become firmly established through the instrumental practices of the Mannheim court orchestra.
One may even go so far as to entertain the hypothesis that Bach’s virtuosity was a major influence on both Mozart and Haydn. The essay by Christoph Schlüren for the booklet included in this box set offers “testimonials” from both of these composers. Mozart’s is the more extensive:
He is the father; we are the boys. Those of us who have really learnt anything have learnt from him.
This is the sort of thing we might have expected Bach to say about his own father. The Haydn citation is a bit more modest but has him saying “those who know me well must also know that I owe a great deal to Emanuel Bach.” Then, for good measure, Schlüren includes a quotation from Ludwig van Beethoven, suggesting that his opinion of Bach may have been one of his few points of agreement with Haydn:
I have only a few of Emanuel Bach’s piano works, and yet even a few must not only bring every true artist great enjoyment but also serve him as study material.
Future generations (going all the way to Arnold Schoenberg) would be saying the same of Beethoven’s own piano works.
In such an auspicious context, I have spent the better part of this month listening to Markovina’s recordings. Since the collection has not been arranged in chronological order, one cannot talk about the box set, taken as a whole, defining any sort of “journey.” Nevertheless, there is something to be said for giving these recordings some “deep-end” listening, even if that does not necessarily entail traversing the entire collection without letting any other music “distract.” (No, my own listening was definitely not that intense.)
When confronted with a generous sample, one begins to appreciate that Bach was as much a virtuoso at the keyboard as his father was. Just as importantly, however, by surveying a broad collection of his music, the mind begins to discern a set of tropes in his rhetoric that differ significantly from those of his father. Indeed, to the contrary, those tropes are familiar to us because we have been exposed to them through our familiarity with Mozart and Haydn. In other words as we get to know those tropes, we can appreciate that those “testimonials” provided by Schlüren are far more than gratuitous lip service.
Why, then, did “Bach the son” fade into insignificance so soon after his death? One reason may be that he was never part of musical life in Vienna. While Imperial Hapsburg Vienna was very much a “magnet” for the likes of Haydn, Mozart, and Beethoven (the “Holy Trinity” of Charles Rosen’s book The Classical Style), Bach never seemed particularly discontented with either his service to Frederick the Great in Prussia or his more “professional” life in the Free and Hanseatic City of Hamburg, both of which were probably regarded an uncultured backwaters by the Viennese, rather the same way that New Yorkers tend to think about Los Angeles. Without trying either to trivialize or to disparage his situation, Bach was probably satisfied with living where he could take pleasure in making music the way he wanted to make it, rather than “making it” in the more general sense of Fred Ebb’s lyrics for John Kander’s “New York, New York” song.
One might say that Bach was content with simpler pleasures. However, his music was anything but simple. Like his father, he appreciated the value of virtuosity; but he also accepted the responsibility of pedagogy. I would therefore suggest that the unifying theme behind those “testimonials” from Mozart, Haydn, and Beethoven had to do with how “Bach the son,” like “Bach the father,” could produce music of such significant pedagogical value that, at the same time, appealed to those wishing to listen to music for the sheer pleasure of listening to it.
Every one of the 26 CDs in this collection can be appreciated for this “double-edged value;” but there is the additional joy of recognizing just how prodigious Bach could be over the course of a long and happy professional life.
Stephen Smoliar, examiner.com, 29.05.14

Nachhaltigkeit. Noch eine CD zum 300. Geburtstag
„Hier ist sie, die erste Gesamteinspielung der Werke Carl Philipp Emanuel Bachs für Klavier solo: 26 CDs; jede über 70 Minuten lang.
Einen dienstbaren Geist, der die CDs wechselt, vorausgesetzt, könnte man sich also hinsetzen, die Augen schließen und nach 30 Stunden wieder öffnen. Einschlafen wäre allerdings schwierig, denn die Musik des zweitältesten Bach-Sohnes ist alles, nur nicht gleichförmig. Er war – zumindest was seine Musik betrifft – ein echter Freigeist. Von schlichten, formvollendeten Menuetten (die allerdings kaum länger als zwei Minuten sind) über Variationswerke, die ein Thema wirklich nach allen Regeln der Kunst „verändern“, bis zu freien Fantasien, die jeglichen Regeln spotten, hat Carl Philipp Emanuel Bach nichts ausgelassen. Er konnte eine geradezu lustvolle Zerrissenheit zelebrieren. Er konnte aber auch den ganz ganz Braven spielen. Freilich, knapp bevor wir es satt sind, zerstört er das Idyll des Musterknaben. (…)“
von Albert Hosp, oe1.orf.at, 29.05.2014

Preis der Deutschen Schallplattenkritik für Ana-Marija Markovina
Aus der Begründung der Jury Deutsche Schallplattenkritik:
„Eines der schönsten Geschenke, die Carl Philipp Emanuel Bach in diesem Jahr zum dreihundertsten Geburtstag gemacht werden konnten, ist diese Gesamtaufnahme seiner Werke für Solo-Klavier. Dem Wesen des Komponisten und seiner Musik entsprechend, also temperamentvoll, im besten Sinne launisch und immer für Überraschungen gut, präsentiert die Kölner Pianistin Ana-Marija Markovina einen breit gefächerten Kosmos von Stimmungen und Empfindungen. Sie setzt dabei auf einen sehr eigenen, betont persönlichen Zugriff, der bestens passt zu der radikal subjektiven Ausdruckswelt des zweitältesten Bach-Sohnes, den dessen jüngere Kollegen zwar hoch verehrt haben, den die Musikwelt heute aber erst für sich wieder entdecken muss. Diese Edition ist da eine echte Steilvorlage.“
von Kalle Burmester, haenssler classic, 15.05.14

Lückenlos
„Die aus Kroatien stammende und jetzt in Köln lebende Pianistin bewältigte das Riesenpensum, das sie im Frühjahr 2012 mit den „Kenner und Liebhaber“-Stücken begann, in rund anderthalb Jahren: Für fast 34 Stunden Musik ein rekordverdächtig kurzer Zeitraum, der zumindest ihren „notenfresserischen“ Qualitäten ein glänzendes Zeugnis ausstellt. Aber auch interpretatorisch fällt die Bilanz positiv aus. […] Markovina ist an ihrer Aufgabe erkennbar gewachsen: Insgesamt überzeugen ihre Darstellungen durch energischen Zugriff, runden Ton, viel Sinn für die Lyrik, aber auch den geistreichen Witz der Musik Bachs. […] Dies ist ab sofort die erste Anlaufstelle, wenn es um die Klaviermusik des „für eine Legion geltenden“ Bach geht.“
Von Ingo Harden, Fono Forum, April 2014

„Es ist sogar so, dass Markovina darauf im besonderen Maße herausarbeiten kann, was heute an Carl Philipp Emanuel wieder fasziniert – gerade das Experimentelle und Unausgeglichene nämlich, das Antiklassische.“
Von Jens Jessen, Die Zeit, 06.03.14

„Auf 26 CDs hat Ana-Marija Markovina CPE Bachs geistvolle, witzige und so unterhaltsame Klaviermusik versammelt.“
WELT online, März 2014

„Ein riesenhaftes OEuvre, Vokales und Instrumentales, voller Brüche, voller Widersprüche, hat Carl Philipp Emanuel Bach hinterlassen. Es ist der Stilwandel seiner Zeit, der sich darin spie-gelt. Nicht jede seiner Kompositionen erscheint uns heute, rückblickend, gleichermaßen stark, kühne, originelle Entwürfe stehen neben Konvention.
Dies gilt vor allem für die unzähligen So-naten und Übungsstücke, die er seinem Lieblingsinstrument, dem Klavier, gewidmet hat – einem Instrument, das seinerseits damals große Sprünge tat, sich entwickelnd vom Cembalo zum Hammerflügel. Ana-Marija Markovina hat für ihre mutige und fleißige Gesamteinspielung sämtli-cher Klavierwerke CPE Bachs einen Bösendorfer Imperial gewählt. Der hilft, rund und schön tö-nend, auch über die flachen Stellen hinweg.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014

„Das zum Jubiläumsjahr von der Kölner Pianistin Ana-Marija Markovina erstmals eingespielte klavieristische Gesamtwerk z.B. verkündet nachdrücklich, was für ein innovativer, experimenteller, ausgefallen-fantastischer, skurriler und in jeder Hinsicht zukunftsträchtiger Geist dieser „Bach 2″ war.“
Kölner Stadt-Anzeiger
„Ein Kraftakt und eine Punktlandung: Zum 300. Geburtstag Carl Philipp Emanuel Bachs hat Hänssler Classics jetzt die Gesamtaufnahme seiner Klavier-Solowerke auf den Markt gebracht.“
von Ulrike Gruner, WDR 3, 06.03.14

Perlen im Kosmos
26 CDs, knapp 36 Stunden, etwa 300 Werke von der großen Sonate bis zum 28-Sekunden-Allegro – es gehören Ausdauer und Begeisterungsfähigkeit dazu, um sämtliche Klavierwerke Carl Philipp Emanuel Bachs einzuspielen. Die kroatische Pianistin Ana-Marija Markovina hat es gewagt, nicht auf einem historischen Instrument, sondern an einem modernen Bösendorfer. Wo man in diese Box hineinhört: das singt und perlt, rauscht und flüstert. Klar, bei einem solch umfangreichen Projekt ließe sich immer irgendwo beckmesserisch der Finger heben, doch lieber sollte man die editorische Großtat würdigen: das klingt insgesamt luzide und transparent, subtil im Pedal, meist scharf in den Läufen, stets hell im Diskant. Vieles ist da: Geist und Witz, Spontaneität und Raffinement, Melancholie und Spritzigkeit. Ob in den formal strengeren Sonaten oder in den Fantasien, Markovina vermittelt glaubhaft ihre Verbundenheit für diese Musik, die Triller sind Ornat, haben aber auch eine dramaturgische Funktion. Einige Kadenzen stammen von Markovina, die meisten hat der Komponist Federico Biscione beigesteuert. Dass der Bach-Sohn gern die rechte Hand mit anspruchsvolleren Aufgaben betraut hat als die oft zur Begleitstimme degradierte Linke, kann die Pianistin elegant kaschieren. Ihr Ansatz ist ohnehin nicht, diese Musik als rigorose, flammende oder gemeißelte Bekenntnisse zu vermitteln, sie nimmt vielmehr den Spagat aus Kunst- und Unterhaltungsanspruch sehr ernst. Größtes Plus: Ihr Spiel hat nichts Seidiges, nichts Sentimentales. Daher wirkt es angenehm ehrlich.
von Christoph Vratz, Concerti, März 2014

Eine editorische Meisterleistung
Gerade die Errungenschaften der neuen Klaviere, die zu Carl Philipp Emanuel Bachs Zeit aufkamen, Klaviere, die Feinheiten und Schattierungen in Artikulation und Dynamik viel besser ermöglichten, ließen eine ganz andere Schreibweise zu. Man erkennt in CPE Bachs Kompositionen einen abenteuerfreudigen und eigenwilligen Kopf, der Konventionen abschüttelte und barocke Elemente kühn mit neuen Klängen kombinierte. „Wer von uns was Rechts kann, hat von ihm gelernt“ hat Mozart über CPE gesagt.
Besonders ideenreich und zukunftsweisend sind die langsamen Sätze in CPE Bachs Sonaten und seine freien Phantasien. Bei einigen hat er die Melodie reich verziert, andere wiederum verlangen vom Interpreten wahres improvisatorisches Geschick. Dass sich Ana-Marija Markovina seit langem mit den Klavierwerken des Bach-Sohns beschäftigt, merkt man gerade hieran. Ihr Spiel ist stilsicher und ausgewogen, immer sanglich und ganz so, wie CPE Bach sich den guten Vortrag von den Manieren, also den Verzierungen, gewünscht hätte. Nur manchmal gerät ihr bei aller Empfindsamkeit, für die CPE Bach steht, der Ausdruck etwas wuchtig, geht der Bösendorfer-Flügel mit ihr durch, als habe der Komponist Feruccio Busoni wie so vieles andere auch diese Musik für den modernen Flügel aufgedonnert.
Ana-Marija Markovinas Gesamtausgabe der Klavierwerke CPE Bachs ist eine editorische Meisterleistung, eine Gelegenheit, das so vielgestaltige Werk eines eigensinnigen Komponisten kennenzulernen.
Von Adelheid Kleine, hr-online.de, 04.03.2014

Carl Philipp Emanuel: Der schwarze Bach
Kein Mann des Übergangs, sondern ein „Popstar“ und Klassiker eigenen Rechts: Wir geben eine kleine Höranleitung zur Musik eines Genies.
(…)Die wichtigste Veröffentlichung ist aber die – in der unglaublichen Zeit von 13 Monaten abgeschlossene – Aufnahme des Gesamtwerks für Klavier solo von Carl Philipp Emanuel Bach (26 CDs) durch Ana-Marija Markovina auf modernem Instrument. Das hat insofern seine Berechtigung, als Bach die Tasteninstrumente nicht nur als sein bevorzugtes Medium empfand, sondern seine neuartige, subjektiv empfindende Stilistik auf dem Klavier entwickelte, bevor er sie auf das Orchester übertrug. So kann man nur staunen über den Kosmos an Formen und musikalischen Farben, den Markovina vor dem Hörer auszubreiten imstande ist.
Wer nun am liebsten erst einmal in all diese Produktionen hineinschnuppern möchte, hat dazu Gelegenheit auf einem Sampler, der Carl Philipp Emanuel Bach und sein Oeuvre anhand einer Einführung und der hänssler CLASSIC-CDs näher bringt (C. P. E. Bach – Einführung in Werk und Leben).
Carsten Niemann, Rondo Magazin, März 2014

Stupende Technik mit glasklarem Anklang
Ana-Marija Markovina interpretierte C.P.E. Bachs ganz im Sinne des „galanten Stils“ und verdeutlichte die Abkehr von der barocken Terrassendynamik hin zu dynamischen Sforzati, zu spannungsreichen Arpeggien mit Crescendi und Decrescendi, wobei ihr durch stupende Technik mit glasklarem Anschlag Prestoläufe und Akkordkaskaden eindrucksvoll gelangen.
Zu ganz großer Klasse steigerte sich die Künstlerin in den „Bildern einer Ausstellung“ von Modest
Mussorgski. Wenn es etwas wie die „russische Seele“ überhaupt gibt, dann wurde dies in der kongenialen Darstellung von Ana-Marija Markovina überzeugend deutlich. Mussorgski setzt
die Thematik dieser zehn „Bilder einer Ausstellung“ in großartiger Weise in Musik um, schreibt also reine Programm-Musik. Die Pianistin konnte hier die gesamte Bandbreite ihres Könnens einsetzen: sehr kräftiger, zupackender, ebenso aber auch weicher und zarter Anschlag, der manche Melodielinien fast unhörbar verklingen ließ. Dazu eine Technik, die nie zum Selbstzweck geriet, sondern immer den Intentionen des Komponisten verpflichtet war. Die dynamischen Gegensätze, von denen das gesamte Werk „lebt“, wurden perfekt dargestellt: tiefe Melancholie, aber auch Trotz im „Gnom“, Selbstbewusstsein, aber auch Angst in „Samuel Goldenberg“ und „Schmuyle“, Wildheit, aber auch Bedrücktsein in der „Baba- Jaga“, überraschende, fahle Klangfarben in den „Katakomben“, einerseits dahineilende Staccatotöne, zum anderen kraftvoll-feierliche Akkordflächen; schließlich triumphale Klanggestaltung und nachgeahmte Glockentöne im „Großen Tor von Kiew“.
Von Ulrich Hühnefeld, Fränkische Landeszeitung, 31.12.2013

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